1888 – Masturbation führt zu Haarausfall

„Onanie (Selbstbefriedigung) gehört zu dem Gebiet der fleischlichen Verbrechen und besteht in einer widernatürlichen Selbstbefriedigung des Geschlechtstriebes, wodurch geistige und körperliche Schwäche, Entartung und gänzliche Zerrüttung eintritt.“

So beginnt der Beitrag über Masturbation im Millionen-Bestseller der Jahrhundertwende:

Bilz, Das neue Naturheilverfahren. Lehr- und Nachschlagebuch der naturgemäßen Heilweise und Gesundheitspflege

Wer die Natur heilen will, muss hart verfahren. Und ganz besonders bei der Selbstbefriedigung, zu der es heißt:
„Kein Laster ist auf der ganzen Erde so verbreitet, wie dieses, keines so leicht auszuüben, wie dieses.“
Eduard Bilz

Friedrich Eduard Bilz (1842-1922),

auch als Vater der volkstümlichen Naturheilkunde bezeichnet, war ein deutscher Naturheilkundler. Also eigentlich DER Obernaturheilkundler seiner Zeit. Seine Bücher erzielten eine Auflage von ca. 3,5 Millionen Exemplaren und wurden in 12 Sprachen übersetzt. Seine Werke waren der Knigge einer gesunden und erstrebenswerten Lebensweise. Alle haben es gelesen und waren sich einig: DAS war die erstrebenswerte, die richtige und konventionell akzeptierte Lebensweise.

Schauen wir sie uns an, im Artikel Onanie (Selbstbefriedigung):

Onanie (Selbstbefriedigung) gehört zu dem Gebiet der fleischlichen Verbrechen und besteht in einer widernatürlichen Selbstbefriedigung des Geschlechtstriebes, wodurch geistige und körperliche Schwäche, Entartung und gänzliche Zerrüttung eintritt. Dieses Elend, welches auch noch Nachkrankheiten als Hysterie, Hypochondrie, tiefe Gemütsstörung, sowie männliches Unvermögen und weibliche Unfruchtbarkeit zur Folge hat, entsteht meist durch Verführung und ganz besonders aus einer zu üppigen Nahrung der Kinder.“

Und weil Onanie ein Verbrechen ist, das krank macht, ist es umso wichtiger, die Krankheit zu erkennen, sie beim Schopf zu ergreifen und auszutreiben. Klar! Du! Ja! Genau du! Du bist doch ein Onanist!

Wie können wir so einen kranken Onanisten erkennen? Welche Symptome begleiten die Krankheit? Bin ich vielleicht betroffen?

Zeichen dieses Lasters sind folgende:

Verschlossenes Gemüt, Verdrießlichkeit und Unlust zum Spiel und zur Arbeit. Schüchternes Benehmen. Derartige Kinder oder Jünglinge entziehen sich merklich fremden Beobachtungen, halten sich gern an einsamen Orten, z.B. in der Kammer allein auf, bleiben gern im Bett wach liegen, haben die Hände unter der Decke, im Schlafe immer an den Geschlechtsteilen. Desgleichen suchen sie mit Vorliebe oft den Abtritt auf.
Nach dem Verlassen solcher einsamen Orte erscheinen sie erregt, mit gerötetem Gesichte, eigentümlichen Glanz in den Augen, beschleunigtem Herzschlag und Atem. Im übrigen graublasse, erdfahle Gesichtsfarbe, Blässe der Lippen, bläuliche Augenlider, Ringe um dieselben, unsteter Blick, Flecken in der Wäsche. Dann Wattigkeit, nebst allgemeiner Abmagerung bei starkem Appetit, welke Haut, leicht eintretender Schweiß, Zittern, Rückenschwäche, dumpfer Schmerz in Schenkeln und Waden.
Nach und nach wird die Sprache stotternd, die Stimme schwach, das Haar glanzlos, spaltet sich an den Enden und fällt leicht aus.“

Ach du Scheiße! Nein! Das will ich nicht! Ich will mein volles Haar behalten! Was kann ich tun? Und viel wichtiger noch: was kann ich gegen den Haarausfall meiner Kinder tun?!

Kurvorschrift

Die Kurvorschrift bestand hauptsächlich aus Sublimierung (Triebverlagerung) durch Sport bis zur körperlichen Erschöpfung und Entzug von Nahrung, Berührung und Privatsphäre. Und nicht zu vergessen: kalt duschen.

Kurvorschrift. “Dieses große Übel muss man durch nachfolgende Maßregeln, welche gewissenhaft und streng durchzuführen sind, zu verhüten und zu heilen suchen. Durch reizlose, weniger üppige Nahrungsmittel und Getränke, abends nicht zu spät essen, täglich entsprechend kühle Bäder, viel Bewegung, als Turnen, Springen, Schwimmen, Heilgymnastik in der Gruppe u.s.w. in frischer, freier Luft, weite Spaziergänge bis zur Ermüdung,

Schlafen bei offenem Fenster, nicht zu warme Kleidung und Betten, Schlafen auf harter Matratze. Ferner muss die Kleidung in der Gegend der Geschlechtsteile weit und bequem sein, damit Reibung und Beengung nicht im geringsten stattfindet; dies ist besonders bei Knaben zu beachten. Auch suche man alle Schriften und Redensarten zu unterdrücken und fern zu halten, welche die Vorstellung auf diesen Gegenstand lenken können.”

Vorstellungen waren auch schon gefährlich! Im Reich der Phantasie droht die geistige Onanie!!

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