1156 – Kaiser Barbarossas lässt sich beim Sex zugucken

Am 17. Juni 1156 heiratet Kaiser Friedrich I., bekannt unter dem Namen Kaiser Barbarossa – mit 34 Jahren die 16-jährige und natürlich jungfräuliche Burgunderin Beatrix von Burgund. Als er sie in der Nacht erstmals begattet, lässt er ein paar auserlesene Männer dabei zusehen.

Warum?

Weil man das damals so gemacht hat. Wer heiratet, muss auch vögeln, sonst ist es keine richtige Heirat. Und wenn eine Heirat besonders wichtig ist – wie etwa bei politischen Verbindungen, dann ist das Vögeln umso wichtiger! Da muss man beweisen, dass man auch wirklich gevögelt hat.

Die kirchlichen Mächte und die weltlichen Mächte hatten derzeit eine Art Hass-Liebe, eine co-abhängige Bromance könnte man sagen. Beide wollten die Weltherrschaft, brauchten den anderen jedoch als Machtinstrument – eine verzwickte Lage, die dazu führte, dass Politik und Kirche untrennbar miteinander verwoben waren. Und Sex und Liebe strikt voneinander getrennt.

Sex ist politisch

Nach kirchlichem Recht ist nur die vollzogene Ehe eine gültige Ehe. Rechte und Pflichten derselben – besonders einer politischen Ehe – treten nicht mit der Hochzeit in Kraft, sondern mit dem Geschlechtsakt. Die Ehe vollziehen heißt Sex haben. Und Sex zeigen. Damit das ganze nicht nur vor Gott, sondern auch vor Kirche und Staat bezeugt und gegebenenfalls notariell beglaubigt ist.

Geschlechtsakt als Staatsakt

Das mittelalterliche Recht verlangte Voyeurismus quasi zur Besiegelung einer Eheschließung. Sex machte die Ehe gültig und eine gültige Ehe festigte das Bündnis von Nationen. Deshalb war es gar nicht bekloppt, sondern völlig normal, dass Kaiser Barbarossa sich bei diesem Geschlechtsakt zuschauen ließ, insbesondere, wo es doch ein Staatsakt war.

Und so kam es also 1156 wie folgt:

Eine 16-Jährige wird von einem 34-jährigen Mann entjungfert, während andere Männer dabei zugucken. die hinterher nickend sagen, ja, Barbarossa hat es eben da drin mit ihr getan, das ist korrekt. Ich war bei dem Brautlager zugegen, ich hab alles gesehen! Das heißt, soviel wie möglich war, denn sie haben ja „unter einer Decke gesteckt“. Daher kommt die Redensart Unter einer Decke stecken.
Die „Trauzeugen“ die kommen auch von diesen Bettleiten, die mit der Zeit immer mehr ins symbolisch rituelle gewechselt sind. Im Ursprung jedoch bezeugte ein Trauzeuge die Trauung, die nicht in der Kirche, sondern im Bett vollzogen wurde

»In der Woche nach Pfingsten hätt Kaiser Friederich mit Fraue Beatriechen des Grafe Reinholden von Burgund die Dochter in Würzburg Hochzeit und sein ehelich Beischlafen.«

Chronik der Bischöfe von Würzburg

Auch Martin Luther lässt sich fast 400 Jahre später noch beim Sex zugucken:

1525: In der Nacht vom 13.-14. Juni 1525 wurde auch Martin Luther (42) mit seiner Katharina von Bora 26) beobachtet, u.a. von dem Geistlichen Johannes Bugenhagen (1485-1558).

Barbarossa „hatte sein ehelich Beischlafen”… Und wie er das hatte! Der Ehevollzug wurde von Würdenträgern des Reiches – aus England, Frankreich und Polen – bezeugt.
Und so ist die Ehe zwischen dem Staufer und der Burgunderin – nach damaligem Verständnis – erst rechtskräftig geworden. Ende gut. Alles gut.

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