1562 – Erster Kastrat singt für den Papst wie eine Frau

Wenn Frauen nicht singen dürfen, für Männer, die gerne Frauenstimmen hören wollen, aber es offiziell verbieten, dann ist die logische Folge, dass Männer kastriert werden müssen, oder? Klar! So hat alles seine Ordnung, zumindest für die katholische Kirche.

4. Jahrhundert:

Frauengesang ist in der Kirche verboten.

Seit etwa dem 4. Jahrhundert ist es für Frauen verboten, in der Kirche für die Kirche zu singen. Im Kirchenchor sind offiziell nur noch Männer erlaubt. In vielen Dorfgemeinden wird sich nicht daran gehalten, aber wenn es offiziell herging, musste dem kirchlichen Erlass nachgekommen werden und es hieß: Männer auf die Bühne!

bis 16. Jahrhundert:

Hohe Stimmen werden von Stellknorpelsängern und Jungen ersetzt.

In Europa und Italien (Rom = Sitz des Papstes) behilft man sich bis zum 16. Jahrhundert mit hellen Knabenstimmen und Falsettisten, das sind Sänger, die ihre Stellknorpel beim Singen so zusammenpressen können, dass hohe Töne dabei herauskommen.

bis auf Byzanz: hier kastriert man schon seit dem 12. Jahrhundert

In den religiösen Zeremonien in Byzanz ist der Kastratengesang schon seit zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert fest in den religiösen Zeremonien etabliert

16. Jahrhundert:

Frauengesang wird durch päpstlichen Erlass abgeschafft. Kastration wird normal.

Als erster Kastrat, der vor dem Papst sang wie eine Frau, gilt der Spanier Francisco de Soto, der 1562 in den päpstlichen Chor aufgenommen wurde.

Im Italien des 16. Jahrhunderts dann wird Frauengesang endgültig durch päpstlichen Erlass verboten und abgeschafft. Plötzlich wird das mit dem Kastrieren total normal und man findet es sinnvoll, gesanglich begabte Knaben zu kastrieren, damit sie gleichzeitig hell und stark singen können – so schön wie eine Frau mit der Kraft eines Mannes.

17. Jahrhundert

Kastraten liegen voll im Trend

Im 17. Jahrhundert entstanden immer dramatischere Gesangsrollen und Stücke, die eigens auf Kastraten-Stimmen ausgelegt waren.

18. Jahrhundert

Kastrationen nehmen Überhand und werden – wieder durch päpstlichen Erlass – verboten

Im 18. Jahrhundert wurden die massenweisen Kastrationen dann wieder verboten – erneut durch päpstliche Erlasse und Drohung mit Exkommunikation, dem Ausschluss aus der religiösen und damit gesellschaftlichen Gemeinde.

Auch Selbstgeißelung musste mal durch päpstlichen Erlass verboten werden, weil es einfach zu trendy wurde:

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